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Autor: Dirk Neumann Geschäftsführer ASSISTRA Cloud Services GmbH 17.08.2026
On-Premises, Cloud oder Hybrid? Die falsche Frage für KI
Warum KI-Architektur beim Datenfluss beginnt, nicht beim Standort des LLM
Das sollten Sie mitnehmen:
- KI-Infrastruktur besteht nicht aus einem Standort.
Daten, Storage, Retrieval, Compute und LLM lassen sich auf unterschiedliche Infrastrukturen verteilen.
- Datenlokalität und Modelllokalität sind getrennte Entscheidungen.
Ein Cloud-LLM setzt nicht voraus, dass Unternehmensdaten die eigene Infrastruktur verlassen.
- Datenbewegung ist die zentrale Architekturgröße.
Entscheidend ist, welche Datenmengen zwischen Storage, Verarbeitung und Modell tatsächlich übertragen werden.
- Hybrid erzeugt zusätzliche Schnittstellen.
Netzwerk, Identity, Authorization und Failure Handling müssen über jede Infrastrukturgrenze hinweg funktionieren.
- Die Architektur ergibt sich aus dem Workload.
Datenvolumen, Verarbeitungspfad, Sicherheitsanforderungen und Compute-Bedarf bestimmen die Platzierung der Komponenten.

On-Premises, Cloud oder Hybrid? Die falsche Frage für KI
Inhaltsverzeichnis
- KI-Infrastruktur ist keine Einheit, sondern eine Kette von Platzierungsentscheidungen
- On-Premises bedeutet Kontrolle, nicht automatisch Sicherheit
- Cloud löst die Compute-Frage, nicht die Datenfrage
- Hybrid ist kein Modell, sondern eine bewusste Platzierung
- Nicht der Standort entscheidet, sondern die Datenbewegung
- Datenlokalität ist nicht dasselbe wie Modelllokalität
- GPU-Leistung ist nur nutzbar, wenn der Datenpfad sie versorgt
- Der Standort allein ist keine Security-Architektur
- Eine belastbare Entscheidung beginnt beim Datenfluss
- Keine dieser Architekturen ist grundsätzlich überlegen
- Fazit
- Quellen
KI-Infrastruktur lässt sich nicht sinnvoll auf die Frage reduzieren, ob sie On-Premises oder in der Cloud betrieben werden soll. Eine KI-Anwendung besteht aus mehreren technischen Ebenen: Unternehmensdaten, Storage, Datenaufbereitung, Indizes und Vektordatenbanken, Compute-Ressourcen sowie dem eigentlichen KI-Modell. Diese Komponenten müssen nicht am selben Ort betrieben werden. Eine Architektur kann Unternehmensdaten und Retrieval-Systeme im eigenen Rechenzentrum halten, während ein Large Language Model (LLM) als Cloud-Service genutzt wird; ebenso können Daten in einem Cloud Object Storage liegen und für Training oder Inferenz von GPU-Systemen verarbeitet werden.
Die eigentliche Architekturfrage lautet deshalb nicht, wo „die KI" betrieben wird, sondern welche Daten und Verarbeitungsschritte sich wo befinden müssen – und welche Datenbewegungen zwischen ihnen entstehen. Erst aus dieser Betrachtung lässt sich ableiten, ob eine On-Premises-, Cloud- oder Hybrid-Architektur technisch sinnvoll ist.
KI-Infrastruktur ist keine Einheit, sondern eine Kette von Platzierungsentscheidungen
Bei klassischen Anwendungen werden Applikation, Datenbank und Storage häufig als zusammengehörige Infrastruktur betrachtet. Bei KI-Anwendungen ist eine solche Betrachtung zu grob, weil die einzelnen Verarbeitungsschritte physisch und logisch voneinander getrennt sein können.
Vereinfacht sieht der Datenpfad einer abfragenden KI-Anwendung so aus: Unternehmensdaten liegen in einem Storage, werden aufbereitet und indexiert, ein Retrieval-Schritt wählt daraus die für eine konkrete Anfrage relevanten Informationen aus, und erst dieser zusammengestellte Context erreicht das Modell, das daraus eine Antwort erzeugt. Bei Training oder datenintensiven Analyseverfahren entsteht ein anderer Pfad: Ein Datensatz wird aus dem Storage gelesen, über Netzwerk und I/O-Pfad in den System- und anschließend in den GPU-Memory transportiert und dort verarbeitet, bis ein Modell oder ein Analyseergebnis entsteht.
Damit ergeben sich mindestens fünf eigenständige Platzierungsentscheidungen. Zu klären ist, wo sich die Quelldaten befinden, wo die Daten aufbereitet und indexiert werden, wo Retrieval-System und gegebenenfalls Vector Database betrieben werden, wo der benötigte CPU- oder GPU-Compute steht und wo das Modell schließlich ausgeführt wird. Erst die Kombination dieser fünf Entscheidungen ergibt die tatsächliche KI-Infrastruktur – und erst sie macht sichtbar, an welchen Stellen Daten eine Infrastrukturgrenze überschreiten müssen.
[BILD 1: Ebenenmodell einer KI-Architektur mit den fünf Platzierungsentscheidungen; Datenpfad RAG und Datenpfad Training als zwei parallele Stränge]
On-Premises bedeutet Kontrolle, nicht automatisch Sicherheit
Bei einer weitgehend lokalen Architektur befinden sich Unternehmensdaten, Storage, Datenaufbereitung, Retrieval, GPU-Infrastruktur und Modell innerhalb der eigenen Infrastruktur. Datenhaltung und Verarbeitung erfolgen damit in einer selbst kontrollierten Umgebung. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine solche Architektur sicherer ist. Sicherheit hängt von Identity Management, Authentication, Authorization, Netzwerkarchitektur, Systemhärtung und dem Schutz der Daten selbst ab.
NIST weist im Zero-Trust-Modell ausdrücklich darauf hin, dass Assets und Benutzerkonten kein implizites Vertrauen allein aufgrund ihrer physischen oder Netzwerk-Position genießen sollten – ausdrücklich einschließlich der Unterscheidung zwischen lokalem Netzwerk und Internet. Die Position „innerhalb des eigenen Rechenzentrums" stellt für sich genommen also keinen Sicherheitsmechanismus dar.
Eine lokale Architektur verschiebt außerdem die Verantwortung für die gesamte Infrastruktur zum Betreiber. Dazu gehören Compute und GPU-Ressourcen ebenso wie Storage, Netzwerk, Stromversorgung, Kühlung, Softwareplattform und Lifecycle Management. Technisch interessant wird sie vor allem dann, wenn große Datenbestände bereits lokal vorhanden sind und regelmäßig von KI-Workloads verarbeitet werden sollen. In diesem Fall kann es sinnvoller sein, Compute zu den Daten zu bringen, als große Datenbestände fortlaufend zu externen Ressourcen zu übertragen. Ebenso spricht für eine lokale Architektur, wenn Daten aufgrund technischer oder organisatorischer Vorgaben eine definierte Infrastruktur nicht verlassen sollen, wenn eigene Compute-Ressourcen dauerhaft ausgelastet werden können oder wenn vollständige Kontrolle über Modell, Software-Stack und Datenpfad gefordert ist.
Diesen Argumenten steht die eigene Infrastruktur- und Betriebsverantwortung gegenüber. Compute und Storage müssen dimensioniert, betrieben und über ihren Lifecycle verwaltet werden, und bei stark schwankendem Bedarf bleibt Kapazität zeitweise ungenutzt. Ein gelegentlicher Inferenz-Workload stellt dabei völlig andere Anforderungen als ein dauerhaft ausgelasteter GPU-Cluster für Training. On-Premises bedeutet damit vor allem Kontrolle und lokale Ressourcenbereitstellung, nicht automatisch höhere Performance oder Sicherheit.
Cloud löst die Compute-Frage, nicht die Datenfrage
Cloud Computing zeichnet sich nach der Definition von NIST unter anderem durch On-Demand Self-Service, Resource Pooling und Rapid Elasticity aus. Compute-, Storage- und Netzwerkressourcen können damit bedarfsgesteuert bereitgestellt und wieder freigegeben werden. Für KI ist vor allem die Bereitstellung von Compute relevant: Statt eigene GPU-Infrastruktur aufzubauen, können entsprechende Ressourcen oder darauf aufbauende AI-Services aus einer Cloud bezogen werden. Das ist insbesondere dann ein tragfähiges Argument, wenn Compute kurzfristig oder mit stark schwankender Kapazität benötigt wird oder wenn bereits bereitgestellte AI-Services genutzt werden sollen.
Befinden sich sowohl Daten als auch Compute innerhalb derselben Cloud-Umgebung, kann die gesamte Verarbeitung weitgehend dort stattfinden, und die logischen Datenpfade bleiben kurz. Daraus folgt jedoch nicht, dass Cloud grundsätzlich die bessere Architektur für KI wäre. Liegen große Quelldatenbestände weiterhin On-Premises, entsteht eine Infrastrukturgrenze, und das Netzwerk wird Bestandteil des Datenpfads. Übertragungsvolumen, verfügbare Bandbreite, Latenz und vor allem die Häufigkeit der Übertragung werden damit zu Architekturparametern.
Bei einem einmaligen Transfer eines Trainingsdatensatzes stellt sich diese Frage anders als bei einer Anwendung, die kontinuierlich neue oder veränderte Unternehmensdaten verarbeiten muss. Cloud bedeutet deshalb vor allem bedarfsgesteuerte Ressourcenbereitstellung und Zugriff auf Cloud-Services – es löst nicht automatisch das Problem der Datenbereitstellung. [QUERVERWEIS: Hybrid Cloud Storage – Pfade und Performance planen]
Hybrid ist kein Modell, sondern eine bewusste Platzierung
Der Begriff Hybrid wird im KI-Kontext weiter gefasst verwendet, als die NIST-Definition ihn kennt. NIST definiert Hybrid Cloud als Komposition aus zwei oder mehr eigenständigen Cloud-Infrastrukturen – private, community oder public –, die eigenständige Einheiten bleiben, aber durch standardisierte oder proprietäre Technologie zur Daten- und Applikationsportabilität verbunden sind. Ein klassisches Enterprise-Rechenzentrum ist nach dieser Definition nicht automatisch eine Private Cloud. Wenn im Folgenden von hybriden KI-Architekturen die Rede ist, ist deshalb der weitere Sinn gemeint: Nicht alle Bestandteile des AI-Stacks werden in derselben Umgebung betrieben.
In dieser weiteren Lesart sind mehrere Varianten üblich. Quelldaten, Storage und Retrieval können innerhalb der Unternehmensinfrastruktur verbleiben, während nur der für eine konkrete Anfrage ausgewählte Context an ein externes Modell übergeben wird. Ebenso können Daten lokal gehalten und aufbereitet, die eigentliche Verarbeitung aber auf Cloud-GPUs ausgeführt werden. Und umgekehrt können Daten bereits in einer Cloud liegen, während dedizierter Compute im eigenen Rechenzentrum oder bei einem spezialisierten Anbieter betrieben wird.
Solche Architekturen sind vor allem dann sinnvoll, wenn an Daten und Compute unterschiedliche Anforderungen gestellt werden: wenn Daten in einer kontrollierten Infrastruktur verbleiben sollen, externe LLM-Dienste aber genutzt werden; wenn große Quelldatenbestände lokal liegen, zusätzliche Compute-Kapazität aber temporär bezogen werden soll; oder wenn Retrieval und Berechtigungsprüfung nahe an den Unternehmensdaten erfolgen sollen, während das Modell extern betrieben wird. Der Vorteil dieser Trennung besteht darin, dass Datenhaltung und Compute unabhängig voneinander geplant werden können.
Kostenlos ist dieser Vorteil nicht. Jede zusätzliche Infrastrukturgrenze erzeugt Schnittstellen, und dazu gehören Netzwerkverbindungen, Authentication, Authorization, Verschlüsselung, APIs, Datenreplikation, Monitoring und Failure Handling. Der Vorteil einer hybriden Architektur – die unabhängige Platzierung von Daten und Compute – ist damit zugleich ihre wesentliche technische Herausforderung.
Ein Global File System ist ein Beispiel für diese Entkopplung: Der autoritative Datenbestand liegt im Object Storage, während verteilte Instanzen denselben Namespace bereitstellen. Wir haben eine KI-Anbindung an eine solche Umgebung in einem eigenen Testaufbau untersucht und dabei beobachtet, dass ein vollständiger Indexierungslauf ein anderes Zugriffsprofil erzeugt als produktiver Dateizugriff – er berührt auch selten genutzte Daten und löst deren Recall aus dem Object Storage aus. Der globale Namespace beseitigt die Datenbewegung damit nicht, er verlagert sie. [QUERVERWEIS: Global File System mit KI-Anbindung]
Nicht der Standort entscheidet, sondern die Datenbewegung
Die physische Position der Komponenten beschreibt eine KI-Architektur nur unvollständig. Entscheidend ist der Datenfluss zwischen ihnen, und dabei sollten mindestens drei Arten von Datenbewegung getrennt betrachtet werden, weil sie unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten folgen.
Quelldaten müssen den Compute erreichen
Training, Fine-Tuning, Datenanalyse und Indexierung können große Mengen an Quelldaten verarbeiten. Liegen Compute und Daten in unterschiedlichen Infrastrukturen, müssen diese Daten übertragen, repliziert oder über ein Netzwerk zugänglich gemacht werden. Die relevante Größe ist dabei nicht die Gesamtkapazität des Datenbestands, sondern das Produkt aus der je Durchlauf verarbeiteten Datenmenge und der Häufigkeit, mit der dieser Durchlauf innerhalb eines Zeitraums stattfindet.
Ein Datenbestand von 500 TB, der einmalig migriert wird, erzeugt deshalb ein völlig anderes Netzwerkprofil als ein wesentlich kleinerer Bestand, der kontinuierlich vollständig neu verarbeitet wird. Diese Unterscheidung wird in Architekturdiskussionen regelmäßig übersprungen, weil die Kapazitätsangabe leichter verfügbar ist als das Zugriffsprofil. [QUERVERWEIS: AI Data Lake – Konsolidierung von Datenbeständen]
Auch innerhalb eines Rechenzentrums entsteht ein Datenpfad
Selbst wenn Storage und GPU-Systeme am selben Standort stehen, müssen die Daten vom Storage über Netzwerkkarte und PCIe-Topologie in den System-Memory und von dort in den GPU-Memory gelangen. Bei datenintensiven GPU-Anwendungen kann dieser interne Pfad selbst zum Performancefaktor werden.
NVIDIA GPUDirect Storage ist ein konkretes Beispiel für eine Architektur, die diesen Pfad verändert. GPUDirect Storage ermöglicht DMA-Transfers zwischen Storage und GPU-Memory und vermeidet dabei den Umweg über einen Bounce Buffer im CPU-Memory; laut NVIDIA lassen sich damit Bandbreitenengpässe entschärfen sowie Latenz und CPU-Last reduzieren. Bemerkenswert ist, dass für diese Klasse von Optimierung bislang kein herstellerübergreifender Standard existiert. Die SNIA hat im August 2025 mit Storage.AI ein herstellerneutrales Standardisierungsprojekt gestartet, das unter anderem GPU-initiierte I/O und direkten Storage-Zugriff über Herstellergrenzen hinweg adressieren soll; getragen wird es unter anderem von AMD, Cisco, Dell, IBM, Intel, NetApp, Pure Storage, Samsung, Seagate und WEKA.
Das Beispiel zeigt ein grundsätzliches Architekturprinzip: Für KI-Workloads reicht es nicht, die Rechenleistung der GPUs zu betrachten. Auch der Datenpfad zwischen Storage und Computemuss zum Workload passen. [BILD 2: Datenpfad Storage – NIC/PCIe – System Memory – GPU Memory, mit und ohne GPUDirect Storage]
An das Modell geht der Context, nicht der Datenbestand
Bei Retrieval-Augmented Generation (RAG) muss zwischen den Quelldaten und dem tatsächlich an das Modell übertragenen Context unterschieden werden. In der Aufbereitungsphase werden Dokumente extrahiert, in Chunks zerlegt, als Embeddings repräsentiert und indexiert. Bei einer Anfrage wählt das Retrieval aus diesem Index die relevanten Chunks aus, aus denen der Context für das Modell zusammengestellt wird.
Wird das Retrieval lokal betrieben und das LLM extern genutzt, müssen deshalb nicht sämtliche indexierten Quelldaten an den LLM-Service übertragen werden. Übertragen wird der für die jeweilige Anfrage zusammengestellte Context, zusätzlich zur Anfrage selbst und zu weiteren Bestandteilen des Prompts. Genau an dieser Stelle entsteht eine Architekturgrenze zwischen dem Retrieval-System und dem externen Modell, und welche Informationen diese Grenze passieren dürfen, muss Teil der Security- und Governance-Architektur sein. [BILD 3: RAG-Datenpfad mit Trust Boundary vor dem externen Model Endpoint]
Datenlokalität ist nicht dasselbe wie Modelllokalität
Bei der Planung werden zwei Fragen häufig miteinander verbunden, obwohl sie technisch getrennt beantwortet werden können: wo die Unternehmensdaten liegen und wo das Modell ausgeführt wird. Ein Unternehmen kann seine Quelldaten On-Premises halten und trotzdem einen externen LLM-Service verwenden; umgekehrt kann ein eigenes Modell auf dedizierter Infrastruktur betrieben werden, während Teile der Daten aus Cloud-Speichern stammen. Damit ergeben sich mehrere praktisch relevante Kombinationen.
Daten
Retrieval / Processing
LLM
Architektur
On-Premises
On-Premises
On-Premises
weitgehend lokal
Cloud
Cloud
Cloud
Cloud-zentriert
On-Premises
On-Premises
Cloud
Hybrid
On-Premises
Cloud
Cloud
Hybrid
Cloud
Cloud
eigener Compute
Hybrid
Die Tabelle zeigt zugleich, warum die Frage „On-Premises oder Cloud?" als alleinige Architekturfrage zu kurz greift: Drei der fünf Kombinationen lassen sich mit ihr überhaupt nicht beschreiben.
GPU-Leistung ist nur nutzbar, wenn der Datenpfad sie versorgt
Rechenleistung ist nur dann verwertbar, wenn die Anwendung ihre Daten ausreichend schnell bereitstellen kann. Dabei muss zwischen unterschiedlichen KI-Workloads unterschieden werden. Bei RAG kann ein großer Teil des Datenbestands in einem persistenten Storage verbleiben, weil das Retrieval die Datenmenge reduziert, die für eine einzelne Anfrage tatsächlich verarbeitet werden muss. Training und andere datenintensive Verfahren lesen dagegen wiederholt große Datenmengen; hier gewinnen aggregierter Durchsatz, parallele Zugriffe, Netzwerkpfade und die Anbindung zwischen Storage und Compute an Bedeutung.
Die Frage lautet deshalb nicht, wie schnell der Storage ist, sondern ob der vollständige Datenpfad den konkreten AI-Workload versorgen kann. Zu diesem Pfad gehören Storage-System, Storage-Protokoll, Netzwerk, Host, CPU-Memory, PCIe-Topologie und GPU-Memory. Die Anforderungen an ihn müssen aus dem tatsächlichen Zugriffsmuster abgeleitet werden: Ohne Angaben zu Datensatzgröße, Objekt- beziehungsweise Dateigrößen, Parallelität, Read-/Write-Verhältnis und Verarbeitungsart lässt sich aus einer nominellen Storage-Bandbreite keine belastbare Aussage über die Performance eines KI-Workloads ableiten.
Diese Sichtweise liegt auch dem MLPerf-Storage-Benchmark von MLCommons zugrunde, der Storage-Systeme nicht anhand nomineller Kennzahlen bewertet, sondern anhand der Frage, wie viele Beschleuniger ein System bei einem definierten Trainings-Workload gleichzeitig ausgelastet halten kann. Die im August 2025 veröffentlichte Version 2.0 hat diese Betrachtung zusätzlich um Checkpointing erweitert – also um einen Schreibvorgang, der in reinen Durchsatzbetrachtungen des Lesepfads gar nicht vorkommt. [QUERVERWEIS: High-Performance Data Access]
Der Standort allein ist keine Security-Architektur
Die Entscheidung zwischen On-Premises, Cloud und Hybrid wird häufig mit Sicherheitsargumenten begründet. Technisch sollte dabei jedoch nicht der physische Standort im Vordergrund stehen. NIST Zero Trust fordert, Zugriffe auf Ressourcen nicht aufgrund ihrer Netzwerkposition implizit als vertrauenswürdig einzustufen; Authentication und Authorization sind eigenständige Funktionen, die vor dem Zugriff auf eine Unternehmensressource durchgesetzt werden müssen.
Für KI entstehen zusätzliche Datenpfade, die explizit betrachtet werden sollten: der Pfad vom Benutzer über die AI-Anwendung und das Retrieval bis zu den Unternehmensdaten, und gegebenenfalls der Pfad von der AI-Anwendung zu einem externen Model Endpoint. Daraus ergeben sich mehrere Fragen, die vor der Architekturentscheidung beantwortet sein sollten:
Unter welcher Identity erfolgt der Zugriff auf die Quelldaten?
Welche Berechtigungen gelten beim Retrieval?
Kann ein Benutzer über die KI Informationen erhalten, auf die er im Quellsystem keinen Zugriff besitzt?
Welche Daten dürfen einen definierten Trust Boundary verlassen?
Welche Inhalte werden an externe Modelle übertragen?
Wie werden Daten während der Übertragung geschützt?
Welche Logs enthalten Prompts, Context oder Antworten?
Welche Systeme dürfen Indizes, Embeddings und Quelldaten lesen?
Besonders die dritte Frage wird in der Praxis unterschätzt. Ein Index, der ohne Berücksichtigung der Quellberechtigungen aufgebaut wurde, hebt jede Zugriffsbeschränkung des darunterliegenden Dateisystems auf, sobald das Retrieval darauf zugreift. Gerade bei hybriden Architekturen wird Identity damit zur verbindenden Komponente zwischen unterschiedlichen Infrastruktur- und Security-Domänen. [QUERVERWEIS: Data Intelligence und Governance]
Eine belastbare Entscheidung beginnt beim Datenfluss
Eine tragfähige Architekturentscheidung lässt sich nicht allein anhand der Kategorien On-Premises, Cloud und Hybrid treffen. Sinnvoller ist eine schrittweise Betrachtung, die bei den Daten beginnt und erst am Ende bei der Infrastruktur ankommt.
Zunächst ist zu bestimmen, welche Daten die KI-Anwendung überhaupt benötigt. Zu betrachten sind Datenvolumen, Änderungsrate, Datei- beziehungsweise Objektgrößen, Formate, Metadaten, Berechtigungen und die aktuelle Datenlokalität. Anschließend ist die Verarbeitung zu klären: Werden Daten lediglich über RAG abgefragt, oder werden große Bestände regelmäßig analysiert, transformiert, trainiert oder für Fine-Tuning verwendet? Davon hängt unmittelbar ab, welche Datenmenge die Compute-Systeme tatsächlich erreichen muss.
Erst danach lässt sich der benötigte Compute bestimmen – CPU, GPU, Memory, GPU-Memory, Parallelität und vor allem die zeitliche Auslastung. Aus dem Auslastungsprofil ergibt sich, ob dauerhaft vorhandener oder elastisch bereitgestellter Compute technisch und wirtschaftlich sinnvoller ist. Im nächsten Schritt sollte für jede Verarbeitung der vollständige Weg von der Quelle über Storage, Netzwerk und Verarbeitung bis zu Compute und Modell nachvollziehbar aufgezeichnet werden. Erst diese Darstellung macht die Infrastrukturgrenzen sichtbar, und an jeder dieser Grenzen ist zu klären, welche Identity zugreift, welche Authorization gilt und welche Daten die Grenze passieren dürfen.
Zum Schluss steht die Quantifizierung. Bei einem zu übertragenden Datenbestand und einer effektiv nutzbaren Übertragungsrate ergibt sich die theoretische Mindestübertragungszeit als Quotient aus beiden Größen, sofern die Einheiten kompatibel angegeben werden. Die reale Übertragungszeit liegt regelmäßig darüber, weil Protokoll-Overhead, Latenz, Parallelisierung, Storage-Performance und die Verarbeitung selbst die tatsächlich erreichbare Datenrate beeinflussen. Wir haben in Projekten wiederholt beobachtet, dass genau diese einfache Rechnung übersprungen wird: Compute-Kapazität wird dimensioniert, bevor geprüft ist, wie die benötigten Daten überhaupt dorthin gelangen sollen.
Keine dieser Architekturen ist grundsätzlich überlegen
Kriterium
On-Premises
Cloud
Hybrid
Datenlokalität
selbst kontrollierbar
abhängig von gewählter Cloud-Architektur
differenzierbar nach Datenklasse und Workload
Compute-Bereitstellung
eigene Ressourcen
bedarfsgesteuerte Cloud-Ressourcen möglich
Kombination
GPU-Auslastung
Betreiber trägt Kapazitätsplanung
Ressourcen bedarfsgesteuert provisionierbar
Workload-abhängige Verteilung möglich
Datenbewegung
gering, wenn Daten und Compute lokal sind
gering, wenn Daten und Compute in derselben Cloud liegen
potenziell über Infrastrukturgrenzen
LLM
lokal betreibbar
Managed Service oder Cloud-Compute
lokal und extern kombinierbar
Security
vollständig selbst zu gestalten
Shared-Responsibility-Modell berücksichtigen
mehrere Trust Domains
Netzwerkabhängigkeit
für lokale Verarbeitung begrenzbar
Zugriff auf Cloud-Ressourcen netzabhängig
abhängig vom aufgeteilten Datenpfad
Betriebsaufwand
Infrastruktur beim Betreiber
Teile der Infrastruktur abstrahiert
mehrere Umgebungen und Schnittstellen
Jede dieser Architekturen verschiebt Verantwortlichkeiten und technische Grenzen an eine andere Stelle. Die Frage ist deshalb nicht, welche überlegen ist, sondern welche Verschiebung zum konkreten Workload passt.
Fazit
Die Frage „On-Premises, Cloud oder Hybrid für KI?" sollte nicht am Standort des LLM entschieden werden. Eine KI-Infrastruktur besteht aus Daten, Storage, Datenaufbereitung, Retrieval, Compute und Modell, und diese Komponenten lassen sich unabhängig voneinander platzieren. Damit wird die Datenbewegung zwischen ihnen zur zentralen Architekturgröße.
Für die Planung ergibt sich daraus eine klare Reihenfolge: zuerst die Daten, dann die Verarbeitung, dann die daraus entstehende Datenbewegung, anschließend Compute und Modell und schließlich Security und Betrieb. Erst danach lässt sich belastbar entscheiden, welche Komponenten On-Premises, in einer Cloud oder in einer hybriden Architektur betrieben werden sollten.
Quellen
National Institute of Standards and Technology (NIST): Mell, Peter; Grance, Timothy: The NIST Definition of Cloud Computing. NIST Special Publication 800-145, September 2011, Abschnitt 2 (Essential Characteristics) und Abschnitt 4 (Deployment Models). DOI 10.6028/NIST.SP.800-145. Abruf: 2. September 2026. NIST SP 800-145 – The NIST Definition of Cloud Computing
National Institute of Standards and Technology (NIST): Rose, Scott; Borchert, Oliver; Mitchell, Stuart; Connelly, Sean: Zero Trust Architecture. NIST Special Publication 800-207, August 2020, Abschnitt 2 (Zero Trust Basics, Tenets). DOI 10.6028/NIST.SP.800-207. Abruf: 2. September 2026. NIST SP 800-207 – Zero Trust Architecture
National Institute of Standards and Technology (NIST): Chandramouli, Ramaswamy; Butcher, Zack: A Zero Trust Architecture Model for Access Control in Cloud-Native Applications in Multi-Location Environments. NIST Special Publication 800-207A, September 2023. DOI 10.6028/NIST.SP.800-207A. Abruf: 2. September 2026. NIST SP 800-207A – ZTA Model for Cloud-Native Applications
NVIDIA: Magnum IO GPUDirect Storage Overview Guide, Release r1.18, Abschnitt 1.1 (Introduction). Abruf: 2. September 2026. NVIDIA GPUDirect Storage Overview Guide
NVIDIA: Magnum IO GPUDirect Storage Design Guide. Technische Dokumentation zu DMA-Datenpfaden zwischen Storage und GPU Memory. Abruf: 2. September 2026. NVIDIA GPUDirect Storage Design Guide
MLCommons: New MLPerf Storage v2.0 Benchmark Results Demonstrate the Critical Role of Storage Performance in AI Training Systems, 4. August 2025. Methodik der architekturneutralen Messung von Storage-Systemen anhand der Zahl gleichzeitig ausgelasteter Beschleuniger sowie Erweiterung um Checkpointing. Abruf: 2. September 2026. MLCommons – MLPerf Storage v2.0 Results
SNIA: SNIA Announces Storage.AI, 4. August 2025. Herstellerneutrales Standardisierungsprojekt für Datendienste in KI-Workloads, unter anderem zu GPU-initiierter I/O und direktem Storage-Zugriff. Abruf: 2. September 2026. SNIA – Storage.AI
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