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Autor: Dirk Neumann Geschäftsführer ASSISTRA Cloud Services GmbH 17.08.2026
Object Storage dimensionieren: Kapazität, Performance, Wachstum
Warum On-Premises-Plattformen und Cloud-Services unterschiedlich geplant werden
Das sollten Sie mitnehmen:
- Kapazität allein reicht für die Dimensionierung nicht aus.
Objektgrößen, Zugriffsmuster, Parallelität und erforderlicher Datendurchsatz beeinflussen die Architektur ebenso wie das reine Datenvolumen.
- On-Premises Object Storage erfordert Infrastruktur-Sizing.
Nutzkapazität muss über Schutzverfahren, Systemreserven und Failure Domains in physische Kapazität übersetzt werden.
- Bei Cloud Object Storage verschiebt sich die Planungsaufgabe.
Storage-Nodes und Datenträger entfallen; Datenvolumen, Wachstum, Retention und die Anbindung an den Service bleiben relevant.
- Die verfügbare Bandbreite ist nicht der erreichbare Anwendungsdurchsatz.
Objektgrößen, Anzahl der Transfers und die eingesetzte Anwendung bestimmen die tatsächliche Übertragungsleistung, weshalb anwendungsnahe Tests den reinen Netzwerktest ergänzen sollten.

Warum On-Premises-Plattformen und Cloud-Services unterschiedlich geplant werden
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Dimensionierung bei Object Storage?
- Das Workload-Profil als Ausgangspunkt
- Kapazität und Wachstum berechnen
- On-Premises Object Storage: von Nutzdaten zu physischer Kapazität
- Performance und Datenpfad
- Cloud Object Storage: verschobene Planungsgrößen
- ASSISTRA-Praxiserfahrung: beide Betriebsmodelle im Vergleich
- Was ein anwendungsnaher Test untersuchen sollte
- Backup als Beispiel für die Dimensionierung
- Zehn Fragen vor der Dimensionierung
- Fazit
- Quellen
Object Storage lässt sich nahezu beliebig erweitern. Daraus folgt jedoch nicht, dass vor der Einführung keine Dimensionierung notwendig wäre. Entscheidend ist zunächst, welche Form von Object Storage betrieben werden soll.
Bei einer eigenen On-Premises-Plattform müssen physische Kapazität, Schutzverfahren, Nodes, Failure Domains, Netzwerk und Leistungsreserven geplant werden. Bei einem Cloud Object Storage Service übernimmt der Provider diese Infrastrukturplanung. Für den Anwender verschiebt sich die Aufgabe auf Datenvolumen, Wachstum, Aufbewahrungsdauer, Kosten und den Datenpfad zwischen Anwendung und Object Storage. Damit bedeutet „Object Storage dimensionieren" je nach Betriebsmodell etwas anderes.
Was bedeutet Dimensionierung bei Object Storage?
Bei klassischen Storage-Systemen wird Dimensionierung häufig zunächst mit einer Kapazitätsfrage verbunden: Wie viele Terabyte werden benötigt?
Für Object Storage ist diese Betrachtung ebenfalls notwendig, aber nicht hinreichend. Mindestens drei Dimensionen sollten getrennt betrachtet werden.
Dimension
Zentrale Frage
Kapazität
Wie viele Daten müssen heute und zukünftig gespeichert werden?
Performance
Wie schnell und mit welchem Zugriffsmuster müssen Daten geschrieben und gelesen werden?
Infrastruktur
Welche Ressourcen sind erforderlich, um Kapazität, Performance und Schutzanforderungen bereitzustellen?
Die dritte Dimension unterscheidet On-Premises Object Storage grundlegend von einem Cloud Object Storage Service. Bei einer eigenen Plattform muss der Betreiber die physische Infrastruktur bereitstellen. Bei einem Cloud-Service abstrahiert der Provider diese Ebene; der Anwender nutzt Speicherkapazität und greift über eine API darauf zu.
Die Planungsaufgabe verschwindet dadurch nicht. Sie verlagert sich. Was Object Storage als Architektur ausmacht, beschreibt ein eigener Beitrag der Serie [QUERVERWEIS: Was ist Object Storage?].
Das Workload-Profil als Ausgangspunkt
Ausgangspunkt der Planung sollte nicht das Storage-System sein, sondern der Workload.
Zu den wesentlichen Planungsgrößen gehören der aktuelle Datenbestand, das erwartete Wachstum und die Aufbewahrungsdauer. Hinzu kommen die Anzahl der Objekte und die Verteilung ihrer Größen, das Verhältnis von Schreib- zu Lesezugriffen, die Anzahl paralleler Anwendungen oder Clients, der erforderliche Upload- und Download-Durchsatz sowie die zeitliche Konzentration der Übertragungen. Schließlich sind das Lösch- und Änderungsverhalten, Anforderungen an Versionierung oder Immutability und die Backup- und Restore-Anforderungen zu erfassen.
Objektgröße und Objektanzahl sind dabei keine Nebengrößen. Objekte werden in einem Object Store als atomare Einheit behandelt; eine Verzeichnishierarchie im Sinne eines Dateisystems existiert nicht, jedes Objekt wird über einen eindeutigen Identifier adressiert. Damit bestimmen Größe und Anzahl der Objekte unmittelbar das Request-Muster gegenüber dem Storage-System. Wie dieser Zugriff protokollseitig abläuft, behandelt der Beitrag [QUERVERWEIS: S3 als Zugriffsschicht für Object Storage].
Nicht jeder Parameter ist für jeden Anwendungsfall gleich wichtig. Bei einem Backup Repository können tägliches Änderungsvolumen, Retention und Restore-Anforderungen entscheidend sein. Bei einer Anwendung mit sehr vielen kleinen Objekten spielt dagegen die Zahl der API-Operationen und die Verarbeitung vieler einzelner Requests eine größere Rolle.
Die Dimensionierung sollte deshalb von einem Workload-Profil ausgehen und nicht allein von einer TB-Angabe.
Kapazität und Wachstum berechnen
Das einfachste Kapazitätsmodell beginnt mit dem vorhandenen Datenbestand und dessen Wachstum. Für eine erste Näherung bei konstantem Nettozuwachs gilt D(t) = D₀ + g × t, wobei D(t) den erwarteten Datenbestand zum Zeitpunkt t bezeichnet, D₀ den Ausgangsdatenbestand, g den Nettozuwachs pro Zeiteinheit und t den Planungszeitraum.
Das Modell ist bewusst einfach. Es funktioniert nur, wenn der Nettozuwachs hinreichend stabil ist.
Bei Backup-Daten, Versionierung, Lifecycle Policies oder Immutable Storage muss genauer betrachtet werden, wie lange neu geschriebene Daten tatsächlich gespeichert bleiben. Brutto-Schreibvolumen und langfristiges Netto-Datenwachstum sind dann nicht identisch. Eine Anwendung kann jeden Tag große Datenmengen schreiben und gleichzeitig ältere Daten löschen; die benötigte Kapazität hängt in diesem Fall wesentlich von der Retention ab. Welche Rolle unveränderliche Aufbewahrung dabei spielt, vertieft der Beitrag [QUERVERWEIS: Cyber Resilience und unveränderliche Datenhaltung].
Erfasst werden sollten deshalb mindestens drei Größen getrennt voneinander: der Bestand, der tägliche oder monatliche Zuwachs und die Aufbewahrungsdauer. Erst daraus lässt sich eine belastbare Kapazitätsentwicklung ableiten.
On-Premises Object Storage: von Nutzdaten zu physischer Kapazität
Bei einer eigenen Object-Storage-Plattform entspricht die erforderliche Nutzkapazität nicht der Summe der eingebauten Datenträger. Zwischen der Raw Capacity und der für Nutzdaten verfügbaren Kapazität liegen unter anderem das verwendete Schutzverfahren und systemspezifische Reserven. Aus den Nutzdaten ergibt sich über den Overhead des Schutzverfahrens und eine System- beziehungsweise Betriebsreserve die tatsächlich erforderliche Raw Capacity. Die konkrete Berechnung ist implementationsabhängig.
[BILD 1: Schichtdarstellung von Nutzdaten zu Raw Capacity. Vier übereinanderliegende Blöcke, von unten nach oben zunehmend breiter: Nutzdaten, Data Protection Overhead, System- und Betriebsreserve, erforderliche Raw Capacity. Rechts daneben eine Beschriftung, dass die relative Breite der Blöcke implementationsabhängig ist und nicht maßstäblich dargestellt wird.]
Replikation
Bei n-facher vollständiger Replikation existieren n physische Kopien der geschützten Daten. Ohne weitere Overheads ergibt sich theoretisch eine Raw Capacity aus Nutzdaten multipliziert mit dem Replikationsfaktor. Bei drei vollständigen Kopien würden für 1 PB Nutzdaten theoretisch 3 PB physische Kapazität allein für die Datenkopien benötigt.
Das ist noch keine vollständige Systemdimensionierung, weil zusätzliche Reserven und systemspezifischer Overhead fehlen.
Erasure Coding
Die SNIA beschreibt Erasure Coding als Fehlerkorrekturverfahren, das über algorithmische Codes Paritätsdaten berechnet und Datenresilienz effizienter erreicht als eine Spiegelung. Moderne Verfahren erlauben dabei einen konfigurierbaren Ausgleich zwischen verfügbarer Kapazität, Performance, Redundanz, Integritätsprüfung und Rebuild-Zeit.
Technisch verteilt Erasure Coding die Daten auf Daten- und Parity-Fragmente. Bei einem Schema mit k Datenfragmenten und m Parity-Fragmenten beträgt die theoretische Storage Efficiency k / (k + m); der zugehörige Expansionsfaktor gegenüber den Nutzdaten lautet (k + m) / k. Ein 8+4-Schema hätte damit eine theoretische Storage Efficiency von 8 / 12, also 66,7 Prozent, und einen Expansionsfaktor von 1,5. Für 1 PB Nutzdaten wären allein aufgrund dieses Schemas theoretisch etwa 1,5 PB physische Kapazität erforderlich.
Auch diese Rechnung beschreibt nur den mathematischen Schutz-Overhead. Ob und wie ein konkretes Produkt zusätzliche Kapazität für Metadaten, interne Prozesse oder Betriebsreserven benötigt, muss anhand der jeweiligen Implementierung dimensioniert werden.
Reserve für Rekonstruktion und Erweiterung
Ein verteiltes Storage-System benötigt nicht nur Platz für die vorhandenen Nutzdaten. Nach dem Ausfall einer Disk oder eines Nodes müssen Daten beziehungsweise Fragmente auf verbleibende Ressourcen rekonstruiert und verteilt werden. Dafür benötigt das System sowohl freie Kapazität als auch I/O- und Netzwerkressourcen. Die Rebuild-Zeit ist damit keine nachgelagerte Betriebsgröße, sondern Teil derselben Auslegungsentscheidung wie Kapazität und Performance.
Eine Plattform bis unmittelbar an ihre nominelle Kapazitätsgrenze zu dimensionieren, lässt die Anforderungen des Failure Handling außer Betracht.
Wie viel Reserve erforderlich ist, lässt sich jedoch nicht herstellerneutral als allgemeingültiger Prozentwert festlegen. Der Wert hängt von der konkreten Object-Storage-Implementierung ab, vom Schutzschema, von Clustergröße und Failure Domains, von Anzahl und Größe der Nodes sowie vom Rebuild-Verfahren und vom Erweiterungsmechanismus des Systems. Für ein reales On-Premises-Sizing sind deshalb die dokumentierten Anforderungen und Sizing-Regeln der gewählten Plattform maßgeblich. Wie sich solche Systeme im Betrieb erweitern lassen, behandelt der Beitrag [QUERVERWEIS: Scale-out-Architekturen im Storage].
Performance und Datenpfad
Ein Object Store mit ausreichender Kapazität ist nicht automatisch für den vorgesehenen Workload ausreichend dimensioniert. Vereinfacht lässt sich der Datendurchsatz als übertragene Datenmenge pro Zeiteinheit beschreiben. Für Anwendungen ist aber entscheidend, wie dieser Datenstrom entsteht: 100 MB/s aus wenigen großen Objekten erzeugen ein anderes Request-Muster als derselbe Datendurchsatz aus sehr vielen kleinen Objekten. Objektgröße, Request-Verhalten und Parallelität gehören deshalb zum Workload-Profil.
Object Storage wird typischerweise über HTTP-basierte APIs angesprochen. Bei großen Objekten können Multipart-Verfahren Daten in mehrere Teile zerlegen. Wasabi dokumentiert dieses Verfahren und gibt eine zulässige Teilgröße zwischen 5 MB und 5 GB an, die an Dateigröße und Netzwerkbedingungen angepasst werden soll. Für die Nutzung der AWS CLI empfiehlt Wasabi bei sehr großen Dateien Chunk-Größen von 64 oder 128 MB, um Overhead zu reduzieren, und bei instabilen Verbindungen 16 MB, um Übertragungswiederholungen zu begrenzen.
Bei Cloud Object Storage wird das Netzwerk damit zu einem zentralen Bestandteil des Datenpfads. Eine theoretische Untergrenze für die Transferzeit ergibt sich aus dem Datenvolumen geteilt durch den effektiv nutzbaren Datendurchsatz. Eine 1-Gbit/s-Verbindung bedeutet jedoch nicht, dass eine Anwendung dauerhaft Nutzdaten mit 1 Gbit/s in den Object Store schreiben kann.
Wasabi nennt für die Performance des Datenaustauschs mehrere Einflussgrößen: Größe und Anzahl der übertragenen Dateien, Geschwindigkeit und Auslastung der Netzwerkverbindung, Leistungsfähigkeit der verwendeten Transferanwendung sowie die Performance des Cloud Storage Service. Der Provider stellt ausdrücklich fest, nur den letzten dieser vier Faktoren zu kontrollieren.
[BILD 2: Horizontaler Datenpfad mit vier Stationen von links nach rechts: Anwendung, S3-Client beziehungsweise API, Netzwerk, Object-Storage-Service. Die ersten drei Stationen sind als Verantwortungsbereich des Anwenders markiert, die vierte als Verantwortungsbereich des Providers. Unter dem Pfad ein Hinweis, dass ein Speedtest nur das Segment Netzwerk misst, ein Anwendungstest dagegen den gesamten Pfad.]
Genau deshalb muss zwischen zwei Tests unterschieden werden. Ein Netzwerktest beantwortet, wie leistungsfähig die Verbindung zur Cloud-Region ist. Ein Anwendungstest beantwortet, welchen Durchsatz die tatsächlich eingesetzte Anwendung über diesen Datenpfad erreicht. Der zweite Test enthält wesentlich mehr Komponenten und ist für die konkrete Anwendung deshalb besonders relevant.
Cloud Object Storage: verschobene Planungsgrößen
Bei einem Cloud Object Storage Service muss der Kunde keine Anzahl von Disks, Storage-Nodes oder Erasure-Coding-Gruppen bestimmen. Diese Ebene liegt beim Provider.
Auf der Kapazitätsseite bleiben Ausgangsdatenbestand, Wachstum, Retention und Löschverhalten zu planen. Auf der Seite des Datenpfads sind die vorhandene WAN- oder Internet-Anbindung, die Upload-Anforderungen, die Download- und Restore-Anforderungen, die verwendete Anwendung und deren Parallelität zu betrachten. Hinzu kommt das Nutzungsmodell mit gespeicherter Datenmenge, Datenbewegung, API-Nutzung und den vertraglichen Abrechnungsbedingungen. Gerade der letzte Punkt zeigt, weshalb Kapazitätsplanung auch dann notwendig bleibt, wenn technisch keine Storage-Hardware dimensioniert wird.
Denn die Datenmenge bestimmt hier nicht, wie viele Festplatten zu beschaffen sind, sondern kann unmittelbar die Abrechnung beeinflussen. Wasabi unterscheidet bei seinem aktuellen Pay-as-you-go-Modell unter anderem Timed Active Storage und Timed Deleted Storage. Für dieses Modell dokumentiert der Anbieter eine Mindestaufbewahrungsdauer von standardmäßig 90 Tagen, für das Modell Reserved Capacity Storage 30 Tage. Wird ein Objekt vor Ablauf dieser Frist gelöscht, kann die verbleibende Zeit als Timed Deleted Storage berechnet werden.
Für eine wirtschaftliche Kapazitätsplanung reicht damit die Frage nach dem Datenbestand am Monatsende nicht zwingend aus. Ebenso relevant kann sein, wie lange die geschriebenen Daten gespeichert und abrechnungswirksam bleiben. Das ist insbesondere bei Workloads mit hoher Änderungs- oder Löschrate zu berücksichtigen.
Eine leicht übersehene Größe sind abgebrochene Multipart-Uploads. Wasabi löscht unvollständige Multipart-Uploads nach etwa 31 Tagen automatisch, berechnet sie zuvor jedoch für 30 Tage als Active Storage; bei einer Mindestaufbewahrungsdauer von 90 Tagen folgen anschließend weitere 60 Tage als Deleted Storage. Bei instabilen Datenpfaden ist das ein realer Kapazitäts- und Kostenfaktor.
Die vollständige Kostenbetrachtung gehört in eine separate Analyse, wie sie der Beitrag [QUERVERWEIS: TCO-Betrachtung von Storage-Architekturen] behandelt. Für die Dimensionierung ist zunächst entscheidend, das erwartete Datenvolumen und seine zeitliche Entwicklung zu kennen.
ASSISTRA-Praxiserfahrung: beide Betriebsmodelle im Vergleich
Bei einem Cloud Object Storage Service muss der Kunde keine Anzahl von Disks, Storage-Nodes oder Erasure-Coding-Gruppen bestimmen. Diese Ebene liegt beim Provider.
Auf der Kapazitätsseite bleiben Ausgangsdatenbestand, Wachstum, Retention und Löschverhalten zu planen. Auf der Seite des Datenpfads sind die vorhandene WAN- oder Internet-Anbindung, die Upload-Anforderungen, die Download- und Restore-Anforderungen, die verwendete Anwendung und deren Parallelität zu betrachten. Hinzu kommt das Nutzungsmodell mit gespeicherter Datenmenge, Datenbewegung, API-Nutzung und den vertraglichen Abrechnungsbedingungen. Gerade der letzte Punkt zeigt, weshalb Kapazitätsplanung auch dann notwendig bleibt, wenn technisch keine Storage-Hardware dimensioniert wird.
Denn die Datenmenge bestimmt hier nicht, wie viele Festplatten zu beschaffen sind, sondern kann unmittelbar die Abrechnung beeinflussen. Wasabi unterscheidet bei seinem aktuellen Pay-as-you-go-Modell unter anderem Timed Active Storage und Timed Deleted Storage. Für dieses Modell dokumentiert der Anbieter eine Mindestaufbewahrungsdauer von standardmäßig 90 Tagen, für das Modell Reserved Capacity Storage 30 Tage. Wird ein Objekt vor Ablauf dieser Frist gelöscht, kann die verbleibende Zeit als Timed Deleted Storage berechnet werden.
Für eine wirtschaftliche Kapazitätsplanung reicht damit die Frage nach dem Datenbestand am Monatsende nicht zwingend aus. Ebenso relevant kann sein, wie lange die geschriebenen Daten gespeichert und abrechnungswirksam bleiben. Das ist insbesondere bei Workloads mit hoher Änderungs- oder Löschrate zu berücksichtigen.
Eine leicht übersehene Größe sind abgebrochene Multipart-Uploads. Wasabi löscht unvollständige Multipart-Uploads nach etwa 31 Tagen automatisch, berechnet sie zuvor jedoch für 30 Tage als Active Storage; bei einer Mindestaufbewahrungsdauer von 90 Tagen folgen anschließend weitere 60 Tage als Deleted Storage. Bei instabilen Datenpfaden ist das ein realer Kapazitäts- und Kostenfaktor.
Die vollständige Kostenbetrachtung gehört in eine separate Analyse, wie sie der Beitrag [QUERVERWEIS: TCO-Betrachtung von Storage-Architekturen] behandelt. Für die Dimensionierung ist zunächst entscheidend, das erwartete Datenvolumen und seine zeitliche Entwicklung zu kennen.
Was ein anwendungsnaher Test untersuchen sollte
Ein belastbarer Test sollte die spätere Nutzung möglichst gut abbilden.
Parameter
Warum relevant?
Anwendung
bestimmt API- und Transferverhalten
Zielregion
beeinflusst den Netzwerkpfad
Objektgrößen
verändern das Request-/Transfermuster
Anzahl Objekte
beeinflusst die Zahl der Operationen
Parallelität
kann den aggregierten Durchsatz verändern
Upload/Download
können unterschiedliche Anforderungen besitzen
Testdauer
kurze Bursts sind nicht zwingend repräsentativ
Netzwerkauslastung
konkurrierender Traffic kann Ergebnisse beeinflussen
Wasabi selbst fordert bei der Analyse von Performanceproblemen unter anderem Angaben zu Standort, Internetanbindung und Provider, zum verwendeten Storage Client, zu den übertragenen Dateigrößen sowie Speedtest- und Traceroute-Ergebnisse.
Ein Testergebnis sollte deshalb immer zusammen mit seinen Rahmenbedingungen dokumentiert werden. Die Aussage, man habe 500 MB/s erreicht, ist ohne diese Parameter nur eingeschränkt aussagekräftig.
Backup als Beispiel für die Dimensionierung
An einem Backup-Workload zeigen sich beide Planungsdimensionen besonders deutlich.
Auf der Kapazitätsseite ergibt sich der erwartete Bestand im Object Storage aus den geschützten Daten, der Änderungsrate, dem eingesetzten Backup-Verfahren und der Retention. Die Größe des primären Datenbestands ist dabei nicht automatisch identisch mit der langfristig im Object Store belegten Kapazität.
Auf der Seite des Datenpfads muss das tägliche Datenvolumen innerhalb des verfügbaren Backup-Fensters übertragen werden können. Der erforderliche durchschnittliche Durchsatz entspricht mindestens dem zu übertragenden Datenvolumen geteilt durch das verfügbare Fenster. Soll ein bestimmtes tägliches Änderungsvolumen innerhalb von acht Stunden übertragen werden, ergibt sich daraus zunächst der mindestens erforderliche durchschnittliche Nutzdatendurchsatz. In der Realität kommen Protokoll-, Anwendungs- und sonstige Overheads sowie Schwankungen hinzu, weshalb die Rechnung keinen anwendungsnahen Test ersetzt.
Die Gegenrichtung darf dabei nicht vergessen werden. Ein Backup kann innerhalb des vorgesehenen Fensters erfolgreich in die Cloud übertragen werden und trotzdem ein Restore-Ziel verfehlen, wenn die erforderliche Datenmenge nicht innerhalb des gewünschten Zeitraums zurückübertragen werden kann. Die Planung sollte deshalb nicht nur den Schreibpfad vom Backup-System in den Object Storage betrachten, sondern auch den Rückweg vom Object Storage zum Restore-Ziel.
[BILD 4: Zwei gegenläufige Pfade zwischen Backup-System und Object Storage. Der obere Pfad zeigt den Schreibweg mit der Beschriftung „tägliches Änderungsvolumen im Backup-Fenster", der untere den Restore-Weg mit der Beschriftung „wiederherzustellende Datenmenge in der Recovery-Zeit". Beide Pfade sind mit unterschiedlichen Anforderungswerten annotiert, um zu zeigen, dass sie getrennt zu dimensionieren sind.]
Zehn Fragen vor der Dimensionierung
An einem Backup-Workload zeigen sich beide Planungsdimensionen besonders deutlich.
Auf der Kapazitätsseite ergibt sich der erwartete Bestand im Object Storage aus den geschützten Daten, der Änderungsrate, dem eingesetzten Backup-Verfahren und der Retention. Die Größe des primären Datenbestands ist dabei nicht automatisch identisch mit der langfristig im Object Store belegten Kapazität.
Auf der Seite des Datenpfads muss das tägliche Datenvolumen innerhalb des verfügbaren Backup-Fensters übertragen werden können. Der erforderliche durchschnittliche Durchsatz entspricht mindestens dem zu übertragenden Datenvolumen geteilt durch das verfügbare Fenster. Soll ein bestimmtes tägliches Änderungsvolumen innerhalb von acht Stunden übertragen werden, ergibt sich daraus zunächst der mindestens erforderliche durchschnittliche Nutzdatendurchsatz. In der Realität kommen Protokoll-, Anwendungs- und sonstige Overheads sowie Schwankungen hinzu, weshalb die Rechnung keinen anwendungsnahen Test ersetzt.
Die Gegenrichtung darf dabei nicht vergessen werden. Ein Backup kann innerhalb des vorgesehenen Fensters erfolgreich in die Cloud übertragen werden und trotzdem ein Restore-Ziel verfehlen, wenn die erforderliche Datenmenge nicht innerhalb des gewünschten Zeitraums zurückübertragen werden kann. Die Planung sollte deshalb nicht nur den Schreibpfad vom Backup-System in den Object Storage betrachten, sondern auch den Rückweg vom Object Storage zum Restore-Ziel.
[BILD 4: Zwei gegenläufige Pfade zwischen Backup-System und Object Storage. Der obere Pfad zeigt den Schreibweg mit der Beschriftung „tägliches Änderungsvolumen im Backup-Fenster", der untere den Restore-Weg mit der Beschriftung „wiederherzustellende Datenmenge in der Recovery-Zeit". Beide Pfade sind mit unterschiedlichen Anforderungswerten annotiert, um zu zeigen, dass sie getrennt zu dimensionieren sind.]
Fazit
Object Storage zu dimensionieren bedeutet nicht, eine erforderliche Zahl von Terabyte festzulegen.
Bei On-Premises Object Storage muss aus der Nutzkapazität eine konkrete Infrastruktur abgeleitet werden. Schutzverfahren wie Replikation oder Erasure Coding, Failure Domains, Betriebsreserven, Performance und Netzwerk beeinflussen die erforderliche physische Plattform. Bei Cloud Object Storage übernimmt der Provider diese Infrastrukturdimensionierung; die Planungsaufgabe des Kunden verschiebt sich auf Datenvolumen, Wachstum, Retention, Kostenmodell sowie die Leistungsfähigkeit des Datenpfads zwischen Anwendung und Object Storage.
Beide Aufgaben kennen wir aus eigenen Projekten. Im Scality-Projekt war die physische Plattform einschließlich Schutzschema, Failure Domains und Reserve auszulegen. In den Wasabi-Projekten war eine Dimensionierung von Storage-Nodes nicht erforderlich, die erwartete Datenmenge musste dennoch betrachtet werden, weil sie für die Abrechnung relevant war. Wo die Transferleistung für die Anwendung eine Rolle spielte, wurde vorab mit der vorgesehenen Anwendung getestet.
Damit bleibt auch bei einem skalierbaren Cloud Object Storage eine technische Planung erforderlich. Dimensioniert wird lediglich eine andere Ebene der Architektur.
Quellen
SNIA (Storage Networking Industry Association): What is Erasure Coding? SNIA Education. Abruf: 6. September 2026.
SNIA (Storage Networking Industry Association): What is Object Storage? SNIA Education. Abruf: 6. September 2026.
Wasabi Technologies: Network Performance. Aktualisiert 9. Januar 2026. Wasabi Documentation. Abruf: 5. September 2026.
Wasabi Technologies: Multipart Uploads With Wasabi Hot Cloud Storage. Aktualisiert 5. Februar 2026. Wasabi Documentation. Abruf: 5. September 2026.
Wasabi Technologies: AWS CLI With Wasabi. Aktualisiert 29. Juli 2026. Wasabi Documentation. Abruf: 5. September 2026.
Wasabi Technologies: Pricing FAQs for Wasabi's Pay as You Go Pricing Model. Wasabi. Abruf: 5. September 2026.
Wasabi Technologies: Minimum Storage Duration Policy. Aktualisiert 9. Januar 2026. Wasabi Documentation. Abruf: 5. September 2026.
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